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23.-26. Oktober 2017 | Evangelische Akademie Bad Boll

Die Herbstkonferenz 2017: SCHMECKET UND SEHET

Auf dem Menü der 130 Vikare*innen, Pfarrer*innen im unständigen Dienst und 25 Kinder prangten bei der diesjährigen Herbstkonferenz ethische Klopse, theologische Leckerbissen, anthropologische Gaumenschmäuse und selbstgekochte Köstlichkeiten.

Was is(s)t der Mensch?.

„Schokolade hat eine Konsistenz, die glücklich macht. Das Schlotzige.“, erklärte Prof.in Dr. Nanette Ströbele-Benschop in ihrem Eröffnungsvortrag zu „Die Psychologie des Essens. Ist der Mensch, was er is(s)t?“ von der Universität Hohenheim. Ihr hedonistischer Effekt wirke sofort, der energetische setze erst nach einer Stunde ein. Sie benannte zudem verschiedene Einflussfaktoren auf die menschliche Ernährung wie die Raumtemperatur oder die Größe der Teller. In den Workshops im Anschluss kamen Themen wie Strategien zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung oder Essen in der Hebräischen Bibel auf den Tisch. Der anthropologische Einstieg ins Thema mündete in einem Film, in dem die Rolle der Frau als Köchin im Wandel der Zeit unterhaltsam vor Augen geführt wird.

DSC_0355Vom Essen und Gegessen Werden.

Der Dienstagvormittag widmete sich dem Abendmahl mit Konfirmanden*innen, Kindern, Kranken und Sterbenden, mit neuen Liedern und Impulsen aus der johanneischen Theologie. Der Vortrag „Der ‚gastrosophische‘ Blick über den Tellerand“ mit Prof. Dr. Harald Lemke aus Hamburg bot den ethischen Einstieg ins Thema. Er machte deutlich, dass das „funktionelle Fastfood-Verständnis“ zum Essen bis zur platonischen Wende zurückzuverfolgen sei. Seit dieser wertenden Trennung von Geistlichem und Leiblichen sei es bis heute zu einer systematischen Abwertung der menschlichen „Essistenz“ gekommen. Eine Ernährungswende müsse erfolgen, sonst stünde das bisherige System vor dem Kollaps: Lemke plädierte für eine nachhaltige und gemeinschaftliche Haltung bei der Herstellung und dem Genuss von Essen. Bei den Workshops am Nachmittag zählte der Besuch des Bauernhofs der Familie Oelkrug in Bissingen zu den Highlights. Thema waren aber auch die Zukunft der Agrarumweltförderung, Tierethik, die Esskultur in württembergischen Kirchengemeinden sowie Essen als Krankheit. Den ethischen Schlusspunkt setzte der Gesprächsabend zum Thema „Puten, Pastinaken, Proteinpulver?

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Ein abwechslungsreicher Austausch über die Zukunft der Ernährung“ mit Philipp Brändle von der AG Bäuerliche Landwirtschaft, Dr. Christian Eichert von BIOLAND Baden-Württemberg, Georg Hoffmann von Ritter-Sport und Prof.in Dr. Ulrike Weiler von der Universität Hohenheim. Er wurde moderiert von Carmen Ketterl, Studienleiterin in Bad Boll. Der Tendenz des Wachstums von deutschen Höfen, um „das billigste Schnitzel“ produzieren zu können, könnte zum Beispiel mit einem „Fleischführerschein“ Einhalt geboten werden, schlug Christian Eichert vor und erntete große Zustimmung. Auch und besonders Kinder würden mit der Auseinandersetzung von Haltung und Tötung von Tieren frühzeitig sensibilisiert. Ein bewussterer Fleischkonsum sei dringend nötig. Darin waren sich die Diskutanten*innen einig.

Leben geht durch den Magen.

Unter dem Motto ‚Do it yourself‘ bereiteten am Mittwoch 30 Köche*innen, ein Service- und ein Deko-Team sowie  Tischredner*innen aus den eigenen Reihen in Kooperation mit der Küche Bad Boll und unter der Anleitung von Playing-Artist Gabi Erne, Restaurantmeister Thomas E. Goerke, Poetryslammer Bo Wimmer und Dekorationsexpertin Carolin Enderle ein fulminantes Festessen im Symposion der Akademie vor. Das Essen begann in absolutem Schweigen. Zu Hauptspeise und Nachtisch unterhielten sechs Kollegen*innen mit unterhaltsamen Tischreden u.a. zu Schluckauf, Toast und dem letzten Abendmahl die Festgemeinschaft. Das fast vollständig vegane Menü erfreute Gaumen und Gemüter und ließ viele direkt nach den von Gabi Erne selbst kreierten Rezepten fragen. Ein Dank gilt hier besonders dem Küchen- und Serviceteam Bad Boll, das sich auf dieses einmalige und besondere Wagnis eingelassen und es tatkräftig unterstützt hat. Mit satten Bäuchen  wurde beim abschließenden Abendmahlsgottesdienst am Tisch des Herrn auch der geistige Hunger gestillt.

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VUV-Vollversammlung.

Nach Berichten der Geschäftsführung, aus Konvent und Kuratorium, der Kasse, des Pfarrvereins und der Pfarrervertretung wurden am vierten Konferenztag die Kandidaten*innen für den Vorstand der VUV und IV.EKD vorgestellt und gewählt. In der Diskussionsrunde im Anschluss zu „Arbeit ohne Ende = Arbeit ohne Ende?“ mit Kirchenrat Norbert Stahl, Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, Pfarrer Stefan-Ulrich Kost von der Pfarrervertretung und Pfarrer Dr. Sönke Finnern moderiert von Pfarrer Tobias Weimer ging es um die Quantifizierung von Arbeitszeit von Pfarrer*innen in Württemberg. Sie könne hilfreich für das Definieren von Dienstaufträgen sein, meinte Kirchenrat Stahl. Er warnte jedoch vor einer möglichen Kontrolle vonseiten der Kirchengemeinderäte und vor Spannungen zu Ehrenamtlichen. Dekan Gohl betonte die Wertschätzung der Arbeit von Pfarrer*innen, die darin deutlich würde, wies jedoch auf den hohen Zeitaufwand hin, die die Einführung der Quantifizierung mit sich brächte. Ob es auch in Württemberg zur Einführung einer Quantifizierung von Arbeitszeit kommt, wie es u.a. in Bayern bereits der Fall ist, blieb offen.

Die Herbstkonferenz 2017 bot neben schwer verdaulichen auch viele leicht bekömmliche Themen. Wer hungrig kam, konnte satt werden an Leib und Seele, denn „wer nirgends isst, wird nimmer satt“ (Martin Luther).

Für das Vorbereitungsteam der HK 17: Text: Anna Feuersänger,
Bilder: Sandra Brettschneider & Anna Feuersänger

 


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